Delir-Prävention

Unter Delir versteht man einen akut auftretenden und meist zeitlich begrenzten Verwirrtheitszustand. Vor allem ältere Patientinnen und Patienten sind gefährdet, ein Delir zu erleiden. Gerade die besonderen Umstände, die ein Klinikaufenthalt mit sich bringt, können das Entstehen eines Delirs begünstigen. Delirien können zu einer Veränderung des Bewusstseins, des Verhaltens und der Aufmerksamkeit führen, weshalb es besonders wichtig ist, in diesem Bereich Präventivmaßnahmen zu ergreifen. Erste Anzeichen müssen unbedingt ernst genommen werden, da der Heilungs- und Erholungsprozess des Kranken wesentlich beeinträchtigt sein kann.

  • Veränderte Realitätswahrnehmung
  • Unkonzentriertheit und leichte Ablenkbarkeit
  • Halluzinationen
  • Denk- und Merkfähigkeitsstörungen
  • Desorientiertheit
  • Auffallend ruhiges, zurückgezogenes, teilnahmsloses oder hektisches, ängstliches, gereiztes Verhalten
  • Veränderungen der Schlafgewohnheiten bzw. eine Tag-Nacht-Umkehr
  • Verlust der alltagspraktischen Fähigkeiten und der persönlichen Ressourcen
  • Bleibende Probleme der Hirnfunktion wie z. B. Konzentrationsstörungen oder Vergesslichkeit bzw. Verschlechterung einer bestehenden Demenz
  • Ängsten und damit Verhaltensänderungen
  • Eine längere Liegedauer und insgesamt ein schlechteres Behandlungsergebnis
  • Erhöhung der Sterblichkeitsrate durch schwere Delirien
  • Notwendigkeit einer weiterführenden Betreuung und Pflege nach dem stationären Aufenthalt
  • Bringen Sie eine Liste aller Medikamente mit ins Klinikum. Es kann auch hilfreich sein, die Medikamente in der Verpackung mitzubringen.
  • Bereiten Sie ein „medizinisches Informationsblatt“ mit allen Allergien, Namen und Telefonnummern von den behandelnden Ärztinnen und Ärzten, Apotheken und allen bekannten Beschwerden und Erkrankungen vor.
  • Nehmen Sie Sehbehelfe (z.B. Brille), Hörgeräte und Zahnprothesen mit. Achten Sie darauf, dass diese sauber sind, gut sitzen, funktionieren und auch getragen werden.
  • Nehmen Sie zwei bis drei vertraute Gegenstände von zu Hause mit.
  • Helfen Sie eine ruhige und friedliche Atmosphäre zu schaffen. Achten Sie dabei auf unsere Besuchszeiten und Besuchsregelung (max. zwei Personen pro Besuch).
  • Stellen Sie sicher, dass Ihr/e betroffene/r Angehörige/r ausreichend isst und trinkt. Helfen Sie dabei.
  • Sprechen Sie langsam, deutlich und mit ruhiger Stimme und achten Sie dabei auf positive Gesprächsinhalte.
  • Helfen Sie Ihrem Angehörigen sich über den Tag hinweg zu orientieren. Sagen Sie, wo er ist und warum er dort ist.
  • Geben Sie immer nur eine Aufgabe / Anweisung nach der anderen.
  • Für manche Patienten kann Körperkontakt (z.B. Hand halten) beruhigend sein.
  • Abklärung und Einschätzung von Risikofaktoren, die ein Delir begünstigen können und gegebenenfalls Adaption delirauslösender Medikamente
  • Beratung durch Fachärzte der Psychiatrie und Geriatrie
  • Ursachenabklärung & Behandlung
  • Täglich strukturierte Verlaufsbeobachtungen
  • Unterstützung der Betroffenen durch spezielle Maßnahmen (Aktivierung, Mobilisierung, Kommunikationsförderung, Mahlzeitenbegleitung, Entspannung, Schlafförderung, Orientierung, Reizregulierung)
  • Spezielle Raumgestaltung

Das H.E.L.P. (Hospital Elder Life Program)

Delir-Prävention mit H.E.L.P. (Hospital Elder Life Program) stellt einen innovativen Ansatz zur Verbesserung der Behandlung von älteren PatientInnen im Akutspital dar. Die Interventionen des Präventionsprogramms richten sich speziell nach medizinischen, pflegerischen, sozialen und persönlichen Bedürfnissen delirgefährdeter Patientinnen und Patienten. Durch gezielte Prävention können bis zu einem Drittel an Delirien, die immer mit schweren Folgen und Komplikationen verbunden sind, verhindert werden.

Interdisziplinarität und Multiprofessionalität

Das Programm setzt sich aus vier Bestandteilen zusammen, dabei spielt der multiprofessionelle Ansatz eine wesentliche Rolle.

  • Fachärztliche Delirpräventionsvisiten
  • Assessment und gezielte Verlaufsbeobachtungen mit speziellen Screeningverfahren (CAM) durch Pflegekräfte
  • Mitarbeiterschulungen zum Thema Demenz und Delir
  • Spezielle Maßnahmen zur Delirprävention durch geschulte Freiwillige

Freiwillige als Herzstück von H.E.L.P.

Der letzte Programmbestandteil "Spezielle Maßnahmen zur Delirprävention durch geschulte Freiwillige" ist das Herzstück des H.E.L.P-Programms. Es sind spezielle, nicht medikamentöse Interventionen am Krankenbett, die laut Vorgaben des Programms von Freiwilligen durchgeführt werden sollen. Die Freiwilligen werden durch eine Kooperation mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr Österreich (FsJ) gewonnen. Die Freiwilligen begleiten, helfen bei der Orientierung und aktivieren die Patientinnen und Patienten im Rahmen von täglichen Besuchen ganz individuell und bedürfnisorientiert. Die Schulungen der Freiwilligen übernehmen dabei Mitglieder des H.E.L.P.-Teams sowie spezielle ausgebildete Pflegekräfte.

Die Aufgaben der Freiwilligen beinhalten konkret:

Tägliche Aktiv-Besuche um Kommunikation und Gesellschaft anzubieten, Informationen über das aktuelle Programm bzw. Tagesablauf zu geben, Unterstützung bei der örtlichen und zeitlichen Orientierung und bei sensorischen Defiziten

Besuch zur Mahlzeitenbegleitung: Unterstützung bei der Strukturierung der Mahlzeiten und Angebot Gesellschaft beim Essen zu leisten, wenn gewünscht

Besuch zur geistigen Aktivierung mit dem Ziel, Patienten während des Krankenhausaufenthalts in ihren geistigen Fähigkeiten anzuregen bzw. möglichst fit zu halten, wie z.B. durch Gedächtnistraining, Erinnerungsgespräche, Quizfragen, Lesen bzw. Vorlesen aus der Zeitung

Besuch zur körperlichen Aktivierung: mit speziellen Hilfen der Mobilisation bzw. passiven Bewegungsübungen oder Spaziergängen am Gang, um Patientinnen und Patienten möglichst aktiv und beweglich zu halten

Besuch zur Entspannungsförderung/Schlafförderung: Angebote wie Entspannungsübungen, Umgebungsgestaltung

Weitere Informationen und Kontakt

Für Informationen rund um das Thema Freiwilligenarbeit und Freiwilliges Soziales Jahr erhalten Sie unter freiwilligenarbeit@ks-klinikum.at bzw. bei der Programmleiterin Mag. Maria Trigler.

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